Hundesprache

 

Würden Wölfe schon bei kleinsten Unstimmigkeiten untereinander von ihren "Waffen" (den Zähnen) Gebrauch machen, wären sie nach einigen Streitigkeiten höchstwahrscheinlich lebensgefährlich verletzt. Das Überleben der Population stünde dann auf der Kippe. Es entwickelten sich so z.B. Drohgebärden zur Einschüchterung und Gesten der Anerkennung und Besänftigung des Gegenübers (und unzählige weitere Gesten und Lautäußerungen zur innerartlichen Kommunikation) um Streitigkeiten vorab zu klären und somit lebensgefährliche Kämpfe zu vermeiden. Viele dieser Gesten und Lautäußerungen nutzen Hunde noch heute um mit Ihresgleichen zu kommunizieren.


Foto: Hauke Pippig

Für die Ausbildung eines Hundes ist die Grundkenntnis der "Sprache des Hundes" unerlässlich. So können Sie bereits am Verhalten Ihres Hundes erkennen, wie er sich fühlt und was ihm Probleme bereitet. Wenn Sie verstehen, was Ihnen Ihr Hund mitzuteilen versucht, wird sein Verhalten in den Folgesekunden für Sie vorhersehbarer und ermöglicht Ihnen ein individuelles Training mit Ihrem Hund. Um den Hund zu verstehen ist das Beobachten seiner Verhaltensweisen nötig. Die Betrachtung einer einzelnen Geste ist keine aussagekräftige Interpretationsgrundlage. Vielmehr sollte die Gesamtheit aller Körpersprachsignale in einem Kontext interpretiert werden. Hier finden Sie eine Erklärung einiger Verhaltensweisen des Hundes und deren Bedeutung.

Freude/Übermut
Freude und Übermut drückt der Hund durch übertriebene, schlaksige Bewegungen aus, indem er z.B. die Vorderbeine beim Rennen besonders weit nach vorne reißt und dabei spreizt. Er schlägt beim Rennen viele Haken, krümmt leicht den Rücken und die Rute. Seine Mimik ist aufgeschlossen und freundlich, manchmal zeigt er ein Kräuseln der Lefzen, ähnlich dem Knurren, doch dies ist eher als eine Art "Grinsen" zu verstehen. Manchmal passiert das in Verbindung mit nach hinten angeklappten Ohren (Spielgesicht). Diesen Übermut unterstreicht der Hund mit freudigem Bellen.

Spielaufforderung
Fordert ein Hund einen anderen zum Spielen auf, so senkt er genenüber seinem potentiellen Spielgefährten seinen Vorderkörper und wedelt dabei freudig mit dem Schwanz. Oft wird dies durch ein aufforderndes Bellen unterstrichen.

Aufmerksamkeit/Neugier
Ein aufmerksamer bzw. neugieriger Hund hat eine entspannte oder auch leicht gespannte Körperhaltung. Die Rute befindet sich in "Normalstellung". Seine Ohren sind nach vorn gerichtet, sein Kopf ist erhoben (manchmal etwas schräg gehalten) und die Stirn liegt in Falten. Der Blick des Hundes haftet am Auslöser seines Interesses. Oft ist zu beobachten, dass der Hund ein Vorderbein etwas anhebt und leicht anwinkelt.

Unsicherheit
Die Lefzen sind weit nach hinten gezogen. Die Ohren werden seitlich oder nach hinten weg geklappt, so dass teilweise das Ohrinnere zu sehen ist. Der Hund trägt den Kopf in gerader Linie mit dem Rücken oder lässt ihn sogar etwas hängen. Durch das Hochziehen der Schultern macht der Hund einen geduckten Eindruck. Die Rute (wenn vorhanden) hängt gerade herunter, wenn überhaupt ist nur ein leichtes Wedeln an der Rutenspitze zu erkennen. Seine Bewegungen sind zögerlich. Häufig ist auch zu beobachten, dass der Hund vermehrt über seinen Nasenspiegel leckt.

Dieses Verhalten könnten Sie bei Begegnungen mit fremden Hunden, gegenüber einem schimpfenden Hundebesitzer, möglicherweise auch bei fremden Personen, usw. beobachten.

Dominanz/Überlegenheit
Das Aufreiten des Hundes auf einen anderen Hund hat in den seltensten Fällen wirklich etwas mit Paarung zu tun. Den meisten Hundehaltern ist bekannt, dass dieses Aufreiten dazu dient, den anderen Hund zu dominieren. Das Aufreiten ist die deutlichste Form des Dominierens, dies beginnt bereits mit dem Versuch, dass Kinn oder eine Pfote auf den Rücken des Gegenübers zu legen.
Dieses Verhalten wird besonders eher unsicheren Rüden gezeigt. Ein dominanter Rüde hat dies gar nicht nötig.

Das geborene "Alphatier" gibt es nicht. Was aber stimmt, es gibt Hunde, die eine höhere Tendenz zum Dominieren anderer Hunde haben. Dies ist aber nur eine situative Begebenheit und diese kann sich bei der Begegnung mit dem nächsten Rüden ganz anders darstellen.

Begegnung mit einem Ranghöheren
Der Hund nähert sich einem Ranghöheren seitlich mit langsamen, fast schlacksigen Bewegungen. Er vermeidet direkten Blickkontakt. Beim Anschauen des Ranghöheren ist sein Kopf leicht abgewendet. Die Lefzen sind weit nach hinten gezogen und die Ohren sind seitlich angeklappt, so dass man das Ohrinnere sehen kann. Er trägt Kopf und Rute leicht gesenkt. Ein kleines Wedeln an der Rutenspitze ist zu erkennen. Diese Gesten dienen dazu, dem Gegenüber zu signalisieren, dass kein Interesse an einem Kampf besteht. Beim direkten Kontakt (Beschnüffeln) ist häufig zu beobachten, dass der Hund in der Position verharrt, sich über den Nasenspiegel leckt, das Geschehen mit abgewendetem Kopf beobachtet und über sich ergehen lässt, während der Andere ausgiebig an ihm schnüffelt.

Begegnung mit einem Rangniederen
Ein ranghoher Hund nähert sich einem rangniederen Hund frontal. Seine Körperhaltung ist gespannt. Sein Blick richtet sich direkt auf den anderen Hund. Die Rute ist erhoben und die Ohren sind nach vorn gerichtet. Haben die beiden Hunde direkten Kontakt miteinander, beginnt der Selbtbewusstere (=Ranghöhere), den anderen ausgiebig zu beschnüffeln.

Drohgebärden
Selbstsicherer Hund
Ein selbstsicherer Hund zeigt seine Bereitschaft zum Angriff durch eine gespannte Körperhaltung und einen hoch erhobenen Kopf. Hierbei zeigt er dem Gegenüber sein ganzes Gesicht, indem er das Kinn etwas näher in Richtung Brustkorb hält. Die Ohren sind gerade nach vorn gerichtet, seine Rute ist erhoben und die Nackenhaare aufgestellt. Er kräuselt seine Lefzen und zeigt die Vorderzähne. Die Zähne im hinteren Kieferbereich bleiben verborgen, der Fang ist meist geschlossen. Oft ist diese Geste in Verbindung mit einem tiefen Knurren zu erleben.

Unsicherer Hund
Der unsichere Hund zeigt seine Bereitschaft zur Verteidigung durch leicht seitlich angeklappte Ohren. Seine Körperhaltung ist zwar gespannt, aber dennoch meist leicht geduckt. Er trägt die Rute waagerecht abgespreizt, nah am Körper oder sogar unter dem Bauch. Sein Kopf und Hals sind nach vorn gestreckt. Der Hund kräuselt die Lefzen, zieht die Mundwinkel weit nach hinten und zeigt alle Zähne (auch die Hinteren). Meist ist hierbei der Fang geöffnet. Diese Geste untermaltder Hund eher selten durch Lautäußerungen, falls aber doch, dann mit kurzem, hohem, nahezu stoßartigem Bellen oder langanhaltendem Knurren.

Stress
Stress entsteht für den Hund in Situationen, die ihn physisch und/oder psychisch stark beanspruchen oder überfordern. So zeigt er situative "Stresssymptome" z.B. bei einer hohen Anzahl fremder Hunde auf kleinstem Raum, lauten Auseinandersetzungen in der Familie der Besitzer, beim Tierarzt oder bewältigen schwieriger Aufgaben. Stressanzeichen sind z.B. Gähnen, verlegenes auf dem Boden schnüffeln, hektisches Kratzen und/oder nicht wärmebedingtes Hecheln mit weit zurückgezogenen Lefzen. Lautäußerungen wie Quitschen oder Fiepen sind hier oft zu beobachten.

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